Utopie der Medien, Medien der Utopie:
Druckerpresse und Internet – von einer Gedächtniskultur zu einer Aufmerksamkeitskultur
Aleida Assmann
Medienschwellen werden stets begleitet von geschärften Reflexionen über die Möglichkeiten des je neuen Mediums. Darüberhinaus wird mit jeder technologischen Veränderung der Voraussetzungen kultureller Kommunikation ein utopisches Potential freigesetzt, das viel über die Werte, Sehnsüchte und Phantasmen einer Epoche verrät. Im folgenden soll ein vergleichender Blick auf die Utopien des Druckzeitalters und des Internetzeitalters geworfen werden, um besser zu verstehen, wie sich diese ergänzen, widersprechen oder vielleicht auch verdrängen.
Die Utopien des digitalen Mediums sind nicht nur vorwärtsgerichtet und betonen ganz neue Artikulationsmöglichkeiten in fugenloser Verbindung von Schrift, Bild und Klang, sie sind auch rückwärtsgerichtet und versprechen die Wiederherstellung von etwas längst Vergangenem und Verlorenem. Zu den rückwärtsgerichteten Visionen gehört enthusiastische Beschreibung des digitalen Zeitalters als eine Wiederkehr mündlicher Kultur mit anderen Mitteln. In McLuhans global village herrschen zwar nicht genau die Verhältnisse einer archaischen Stammesgesellschaft, aber deren multimediale, also keineswegs auf Oralität beschränkte Sinnlichkeit wird auch für die elektronische Kultur reklamiert. Die Utopie besteht darin, mit der elektronischen Wende das zu restituieren, was durch Dominantsetzung von Schrift und Druck in der Kultur marginalisiert und eingeschränkt wurde bzw. ganz verloren gegangen ist. Mit der Etablierung einer neuen Wahlverwandtschaft zur vorvergangenen Mündlichkeit wird die Grenze zur vorausgehenden Schriftkultur umso schärfer gezogen. Denn für die Definition und Selbstbeschreibung jedes neuen Mediums spielt die Dramatisierung des Gegensatzes zum vorangehenden Medium eine zentrale Rolle. Die Leistungen des elektronischen Mediums pflegen deshalb als Überwindung des Gutenbergzeitalters und Restitution dessen gefeiert zu werden, was die Druckkultur ihrerseits überwunden hatte.
Ich zitiere aus einem von zahllosen Zeugnissen, das sich auf diese Anknüpfung an eine verschüttete Kulturepoche beruft. „Mit Texten kann man eine ganze Menge machen, wie verschiedene Jahrtausende menschlicher Kultur beweisen, aber mir scheint, daß uns der Computer ermöglicht, vor das Zeitalter des Drucks zurückzugreifen und die alte Kunst interaktiven Erzählens wiederherzustellen. (...) Mit der Durchsetzung des Drucks wurde das interaktive Element zerstört und Geschichten in rigide Formen gepreßt. Mit scheint, daß eine interaktive Erzählweise, wie sie der Computer ermöglicht, die Vorteile beider Medien kombinieren könnte.“ Diese Sätze finden sich in der Einleitung zu Douglas Adams’ Starship Titanic von 1997 - einer sog. novelization des gleichnamigen Computerspiels von Terry Jones. [1] Das neue Genre des interaktiven Computerspiels versteht sich als eine Kommunikationsform, die die Spezifika von Oralität und Literalität miteinander kombiniert, d.h. im Hegelschen Sinne in sich aufhebt. Die Interaktionspotentiale des elektronischen Schreibens werden aber nicht nur durch das popkulturelle Computerspiel sondern auch durch den künstlerisch ambitionierten nichtlinearen Hypertext entfaltet. Auch hier spricht man von einer zweiten Oralität, die den Leser aus seiner passiven Rezeptionsrolle herausholt und zum Mitgestalter des plastischen Textmaterials macht.[2]
Ob und wie die Versöhnung von mündlicher und schriftlicher Kultur so einfach gelingen kann, bleibt freilich noch eine offene Frage. Zunächst einmal ist gegen Ende des Gutenberg-Zeitalters die Differenz von Mündlichkeit und (Druck-)Schriftlichkeit ins Bewußtsein gerückt worden. Eine Reihe von Studien der 1960er bis 80er Jahre, in denen die Gegensätze zwischen den Kommunikationsformen von Oralkulturen und Schriftkulturen herausgearbeitet wurden, haben unser beginnendes Medienbewußtsein geschärft.[3] Man begann, über die kulturellen Konsequenzen nachzudenken, die mit der Einführung von Schriftsystemen einhergehen und erkannte in der Möglichkeit, sprachliche Laute auf einem materiellen Träger schriftlich zu fixieren, einen schwerwiegenden Eingriff in die Symmetrie mündlicher face to face Interaktion. Man erforschte, wie sich durch Gebrauch von Schrift Sprache und Wissen vom Sprechenden und Wissenden ablösen und wie sich in diesem Prozeß menschliches Gedächtnis als Information externalisiert. Man problematisierte den Status der dekontextualisierten ‚Texte’, die in der Schriftkultur an die Stelle eines lebendigen Kommunikationszusammenhangs treten. Mit dieser Ersetzung des menschlichen Kommunikationspartners durch einen Text wird die Dyade wechselseitiger Kommunikation zerstört. Es entsteht eine asymmetrische Form, in der die Kommunikationspartner nunmehr auf die klaren Rollen von Sender und Empfänger festlegt und räumlich und zeitlich voneinander getrennt sind. Konrad Ehlich hat für diesen Eingriff der Schrift in die zwischenmenschliche Interaktion den Begriff der „zerdehnten Kommunikationssituation“ vorgeschlagen.[4] Schriftgestützte Kommunikation ist eine Nachrichtenübermittlung ohne Interaktionsmöglichkeit; wechselseitig sind nur noch die Formen der Abwesenheit. Erst ist der Sender als Schreiber mit der Nachricht allein, dann der Empfänger als Leser.
Der Buchdruck hat in dieser Hinsicht nicht etwas gänzlich Neues geschaffen, wohl aber das Dehnungs-Potential, das in der Schrift angelegt sind, weiter gesteigert. Die Schrift hatte eine Serie von Trennungen eingeführt: zwischen Wissen und Wissendem, Sprache und Stimme, Zeichen und Körper. In der Manuskriptkultur, in der Texte in engen Kreisen von Freunden und Vertrauten zirkulierten, und in der am Hofe und in geselliger Runde rezitiert wurde, war das Band der zerdehnten Kommunikation noch nicht allzu stark strapaziert. Mit dem Druck dagegen lösten sich die Größen Verfasser, Text und Leser gänzlich voneinander ab. Der Verfasser hatte keinen Leser mehr vor sich, der Leser keinen Verfasser. Je stabiler und autonomer die Größe ‚Text’ im Zuge des Buchdrucks wurde, desto stärker war die wechselseitige Abwesenheit der Kommunikationspartner besiegelt.
Diese Entwicklung ist negativ und positiv kommentiert worden. Da beide Bewertungen wohl bekannt sind, brauche ich sie hier nur summarisch zu rekapitulieren. Die negative Seite hat Platon hervorgehoben, der die symmetrische Interaktion mündlicher Kommunikation mit Recht durch die Schrift bedroht sah. In der Einseitigkeit der Kommunikation sah er die Entleerung von Sinn, Scheincharakter, Betrug und Verfälschung von Wahrheit angelegt. Mit seinem Plädoyer für interaktive Mündlichkeit hat er allerdings nicht gegen die autoritäre Geste der Schrift und für die Autorisierung der kritischen Gegenfrage argumentiert. Er wehrte sich vielmehr gegen die unkontrollierbare Verbreitung von Wissen durch Schrift und sann darüber nach, wie Wahrheit in engeren Kreisen von Eingeweihten durch mündliche Interaktion geschützt werden könne. Sein eigener hochliterarischer Gebrauch von Schrift läßt sich nicht zuletzt als eine Strategie gegen den profanen Zugriff verstehen.
Die positive Antwort auf die Gefahr der Erstarrung fixierter Schriftzeichen und der fortschreitenden Entleerung von Sinn, die mit der Gerinnung von Sprache in Texten einhergeht, heißt Hermeneutik. Hermeneutik ist nicht nur die Reparatur der mit Einführung von Schrift zerbrochenen Kommunikationsdyade, sondern die Chance einer Kommunikation zweiter Ordnung, die erst durch die Zerstörung von Interaktion möglich ist. Mit der Suspendierung von Wechselseitigkeit und der Schaffung einer zerdehnten Kommunikationssituation sind die uns bekannten Institutionen der Textinterpretation im religiösen, rechtlichen und literarischen Bereich entstanden. Sie alle basieren auf Einlinigkeit und identischer Wiederholbarkeit: die einmal niedergeschriebene und zum kanonischen Text geronnene Botschaft darf nicht mehr geändert, sondern muß immer wieder im selben Wortlaut vernommen und dabei stets neu gedeutet werden.
Beide Perspektiven auf Schrift, die negative wie die positive, stimmen in einem Punkt überein: Interaktivität und Schrift bzw. Druck schließen sich gegenseitig aus. An der Medienschwelle des Buchdrucks sah man dies jedoch anders. Damals entstand eine Utopie des neuen Mediums, die ausgerechnet dessen interaktiven Charakter betonte. Von der Erstarrung von Zeichen in Texten und der Gefahr einer entfremdenden Externalisierung von Wissen war nicht die Rede, dafür aber umso mehr von Dialog und Gespräch. Diese von den Humanisten getragene Utopie des Druckmediums erkannte in der zerdehnten Kommunikationssituation keine kategoriale Trennung von Sender und Empfänger, sondern eine spektakuläre zeitliche Ausweitung des Kommunikationshorizonts und die Ermöglichung von Interaktion in einem ganz neuen virtuellen Zeit-Raum über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg. In einer Zeit, in der zum ersten Mal die Texte antiker Autoren philologisch aufbereitet und in Werkausgaben gedruckt wurden, entstand begleitend die Utopie einer unmittelbaren, also medienunabhängigen, direkten Interaktion zwischen antiken Autoren und ihren neuzeitlichen Lesern.
Bereits hundert Jahre vor Einführung der Druckerpresse hatte Petrarca jene Form der schriftgestützten Interaktion in einer virtueller Zeit erfunden, die ich hier den „diachronen Dialog“ nennen möchte. Er korrespondierte mit antiken Größen wie dem Historiker Livius über die von ihm sogenannten dunklen Jahrhunderte des Mittelalters hinweg. „Ich wünschte, daß Du in meiner Zeit geboren worden wärest oder ich in Deiner“ schrieb er an ihn. Er war sich also des zeitlichen Abstands durchaus bewußt, und dennoch fühlte er sich den antiken Autoren um vieles näher als seinen eigenen Zeitgenossen. Das Wunder der sekundären Synchronizität stellte sich für ihn wie die Humanisten des Druckzeitalters im Medium der klassischen lateinischen Sprache und den kanonisierten Texten antiker Autoren her. Diese bildeten für Petrarca eine säkulare Überlieferung, der er als erster mit philologischem Respekt und einer semi-religiösen Andacht begegnete. Im frühen Druckzeitalter, als gedruckte Werkausgaben samt säkularen Bibliotheken entstanden und die Humanisten die neue Lebensform des professionellen Lesers antiker Autoren erfanden, wurde die Utopie des diachronen Dialogs zu einem zentralen Topos. Sie wurde bevorzugt von denen artikuliert, die sich aus dem politischen Tumult und den Enttäuschungen ihrer Zeit in die Nischen der Bibliotheken zurückzogen, um an einem zeitlosen Dauergespräch teilzunehmen. Montaigne verkaufte sein Amt als Bürgermeister von Bordeaux um sich in seine Bibliothek zurückzuziehen, Cardano und Scaliger setzten ihre Studien über weltliche Karriere. Der Bibliothekar von Leyden, Daniel Heinsius, schrieb über seinen Rückzug in die Bibliothek: „Sobald ich die Bibliothek betrete, verriegele ich die Tür hinter mir und schließe niedere Lust, Ehrgeiz, Geiz und alle Laster aus (...) und im Schoß der Ewigkeit, unter so vielen heiligen Seelen, nehme ich meinen Platz ein.”[5] An der Bibliothekstür vollzieht sich die Verwandlung und Läuterung des historischen Individuums zum überhistorischen Leser und Gesprächspartner, der den Körper der niederen Begierden abstreift und sich ganz auf seine rein geistigen Bedürfnisse konzentriert. Der deutsche Barockdichter Martin Opitz sprach von einem „geheim gesprech vnd gemeinschafft der grossen hohen Seelen, die von so viel hundert, ja tausend Jahren her mit vns reden.“[6] Die Betonung liegt hier auf dem Reden, der Utopie einer interaktiven Mündlichkeit, die von der Bedingung der (Druck-)Schriftlichkeit gänzlich absieht. Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts hat Nietzsche sich auf den diachronen Dialog als ein „Geistergespräch“ bezogen und es in einem geistaristokratischem Ton beschrieben, der den exklusiven elitären und männlichen Charakter dieser Kommunikationsform hervorhob. “Ein Riese ruft dem andern durch die öden Zwischenräume der Zeiten zu, und ungestört durch muthwilliges lärmendes Gezwerge, welches unter ihnen wegkriecht, setzt sich das hohe Geistergespräch fort.“[7]
Nietzsches späte Wiederholung der humanistischen Utopie beschwört noch einmal die interaktive Mündlichkeit des Druckzeitalters: „ein Riese ruft dem andern zu“. Nur der vermag in den diachronen Dialog des Geistergesprächs einzutreten, der selbst ein Riese ist und den Größen der Vergangenheit Aug in Aug gegenübertreten kann. Riesen, das sind die Geistesgrößen, die das Privileg genießen, daß die Spur ihrer Erdentage nicht in Äonen untergeht. Größe steht hier für die Fähigkeit, die eigene Zeit zu überdauern und eine Rolle im kulturellen Gedächtnis zu spielen. Das können vor allem die beanspruchen, die sich über ihre eigene Zeit erheben und in das Dauergespräch der Großen im virtuellen Zeithorizont eintreten. Deshalb ist mit der Utopie des diachronen Dialogs eine weitere Utopie verbunden, die der Verewigung. Eintritt ins Geistergespräch bedeutet Einlaß in die exklusive Runde der Riesen, deren Texte in Werkausgaben überliefert werden mit dem Anspruch, von jeder Generation neu gelesen zu werden. Nietzsche formulierte seinen Anspruch auf Größe und Verewigung vor dem Hintergrund der kriechenden Zwerge, die mit dem Wandel der Zeiten auf- und wieder abtauchen. Der Weg zur Größe und Verewigung führte für ihn über ein großes Werk, eine große Tat oder eine große Idee, die eine individuelle Signatur in ein Jenseits des zeitlichen Werdens und Vergehens retten. Teilhabe am großen Geistergespräch ist deshalb nur ein anderer Name für Ruhm, den Nietzsche definiert hat als „der Glaube an die Zusammengehörigkeit und Continuität aller Zeiten, es ist ein Protest gegen den Wechsel der Geschlechter und die Vergänglichkeit.“[8]
II.
Individuelle Größe, Unsterblichkeit und heroische Monumentalität – das sind kulturelle Konzepte, die aus dem Druckzeitalter hervorgehen. Sie sind insgesamt im Medium Schrift selbst angelegt und verankert, zunächst in der Fixierung von Buchstaben und dann in der Stabilisierung von Texten durch Verfahren der Kanonisierung. Das elektronische Zeitalter scheint zu diesen Werten kein Verhältnis zu haben, ist es doch umgekehrt von der Beschleunigung von Daten und dem Fließen des Informationsstroms geprägt. Wir brauchen uns nur einmal die Nachfolgeinstitution des Geistergesprächs, die chatrooms des Internetzeitalters vor Augen zu stellen, um diesen Gegensatz voll auszukosten. Die voraussetzungsreiche und stilisierte Kommunikationsform des diachronen Dialogs findet seinen äußersten Gegenpol im interaktiven Schwatzen mithilfe der Tastatur. Der Anspruch auf Dauer und Ewigkeit verflüchtigt sich im Raum ephemärer Flüchtigkeit. Hier fallen alle exklusiven und elitären Schranken, jeder, jede darf herein und kann sich wie er oder sie will inszenieren und ein eigenes Denkmal setzen. Die Vision elitärer Exklusivität, wie sie das Geistergespräch verkörpert, war als Reaktionsbildung vor dem Hintergrund einer zunehmenden Demokratisierung des Wissens entstanden. Dieser Demokratisierungsschub, der ebenfalls im Medium der Schrift angelegt und mit der Veröffentlichung, Vervielfältigung und Verbreitung gedruckter Bücher wesentlich befördert worden ist, ist im Internetzeitalter an sein Ziel gekommen. Dieses Ziel ist die Utopie des universalen und unbeschränkten Zugangs zu Informationen. Utopisch ist dieses Ziel im Sinne der Realitätsferne. Denn es ist keine Frage, daß die voraussetzungsreiche und aufwendige Infrastruktur der neuen Technologien neue soziale und kulturelle Ungleichheiten schafft. In einer Welt, in der die Hälfte der Bevölkerung noch nie ein Telephongespräch geführt hat, bleibt die Einlösung dieses Versprechens einstweilen noch in utopischer Ferne.
Aber auch Ungleichheit in Form von Hierarchien stellt sich im Internet auf eine neue Weise wieder her. Die neuen Riesen entstehen durch Verdichtung medialer Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit ist kürzlich zu einem Leitbegriff des neuen Medienzeitalters erklärt worden. Auf eine Internet-Publikation von Michael Goldhaber und ein Buch von Georg Franck zum diesem Thema sind weitere Veröffentlichungen gefolgt, die sich mit Aufmerksamkeit als der wichtigsten Ressource der Informationsgesellschaft befassen.[9] Die Autorinnen und Autoren dieser Publikationen sprechen von der Aufmerksamkeit als einer neuen Ökonomie, die im Begriff ist, die Ökonomie des Tausches und des Geldes vor allem im virtuellen Kommunikationsraum des Netzes zu verdrängen. Das Zeitalter der „auf den Markt gegründeten und vom Geld beherrschten Massenproduktion und -konsumption“ sei vorbei, und das Zeitalter einer Aufmerksamkeitsökonomie habe begonnen, bei der nichts anderes mehr zähle als „die Suche nach sowie das Erhalten und Schenken von Aufmerksamkeit“. Die Aufmerksamkeitsökonomie gilt als die neue Ökonomie des Informationszeitalters, denn wo die Produktion von Informationen ins Gigantische wächst, wird das, was Informationen einen Wert zuweist, immer knapper und wichtiger, nämlich: Aufmerksamkeit.
Die Riesen des Informationszeitalters sind die Stars und Prominenten, die auch als „Kapitalisten der Aufmerksamkeit“ beschrieben werden. Es geht dabei nicht nur um die Verdichtung von Aufmerksamkeit im Scheinwerferlicht öffentlich medialer Inszenierungen, sondern, bezogen auf das Internet, auch immer mehr um die Möglichkeiten einer Kumulation von Aufmerksamkeit. Solche Aufmerksamkeitsverdichtungen führen dazu, daß sich bestimmte Nachrichten im Informationsfluß eine gewisse Weile halten. Denn: „Was bereits Aufmerksamkeit gefunden hat, zieht weitere Aufmerksamkeit an“.[10] Was die Kanonisierung für das Druckzeitalter leistete, leistet die quantitative Verdichtung von Aufmerksamkeit für das Internet. Sie ist statistisch meßbar und längst Gegenstand kontinuierlicher Selbstbeobachtung. Im Internet gibt es Hitlisten, die die Top Ten websites der Woche, des Tages, der Stunde aufführen und damit eine Art Aufmerksamkeits-Börse darstellen.[11] Aus der Perspektive des Buchzeitalters gesehen, sind solche Aufmerksamkeitsverdichtungen freilich nicht viel mehr als Strudel im Informationsfluß. Solche medialen Effekte einer Konzentration und Kumulation von Aufmerksamkeit können jeder Zeit implodieren, weil ihnen – im Gegensatz zu kanonisierten Objekten - der Rückhalt einer materiellen Fixierung und institutionellen Sicherung fehlt.
III.
Ich habe im Titel meines Vortrags die Begriffe Gedächtnis und Aufmerksamkeit einander gegenübergestellt und möchte sie hier auf ihre Eignung als kulturelle Rahmenbegriffe für den Wandel der Medien und der ihnen korrespondierenden Utopien erproben. Gedächtnis und Aufmerksamkeit stehen für die unterschiedlichen Strategien mit denen man im typographischen und elektronischen Zeitalter auf die explosionsartige Vermehrung von Wissen und Information reagiert. Nietzsche bediente sich dafür einer katastrophischen Wasser-Metaphorik; er sprach von einem Dammbruch des Wissens, einem Ansteigen der Flut und einem Überspülen aller lebensnotwendigen Orientierungsmarken.[12] “Alle Grenzpfähle sind umgerissen und alles, was einmal war, stürzt auf den Menschen zu.” Das historische Wissen, so fürchtete er, “strömt aus unversieglichen Quellen immer von neuem hinzu und hinein, das Fremde und Zusammenhanglose drängt sich, das Gedächtnis öffnet alle seine Tore.”[13] Auch für das Zeitalter der Digitalisierung und Entgrenzung von Schrift im Internet werden Wassermetaphern verwendet. Die digitalen Bücher haben keine Buchdeckel und die digitalen Bibliotheken keine Wände mehr. Die ehemaligen ‘Speicher’ des Wissens haben ihre materielle Dichte und räumliche Verankerung verloren. Doch der Unheilsaspekt des Wassers – Dammbruch und Überschwemmung – ist dem Sport- und Freizeitwert des Wassers gewichen: man navigiert beherzt auf hoher See oder surft genußvoll in seichteren Küstengewässern.
Der Grund für die negative oder positive Betrachtung hängt wiederum mit den unterschiedlichen Utopien beider Medien zusammen. Im Druckzeitalter suchte man die Antwort aufs Fließen im Fixieren und auf die Entschränkung von Information in den Beschränkungen des Gedächtnisses. Das Sistieren von Zeichen galt als die einzige Grundlage von Bedeutungssteigerung und Verewigung. Nietzsches Gegenvision zum Katastrophenszenario der überfüllten und bedeutungslosen kulturellen Wissensspeicher war der gebildete Mensch, der sein Wissen selbst zu begrenzen und in den Dienst des Lebens zu stellen vermag. Die Fähigkeit, die Wissensflut für sich selbst einzudämmen und einen lebensdienlichen Wissenshorizont aufbauen zu können hielt Nietzsche für die wichtigste Errungenschaft der Bildung. Bildung, für Nietzsche, ist ein Gedächtnis, das genau weiß, was zu erinnern lohnt und was vergessen werden kann.
Der Dynamisierung der Information im elektronischen Zeitalter sind Modelle der Bildung und des Gedächtnisses immer weniger gewachsen. Was angesichts des steigenden und beschleunigten Informationsstroms allein zählt, ist einerseits die Technik des blitzschnellen und gezielten Zugriffs auf Information und das ebensoschnelle Reagieren auf punktuelle Reize im Prozess des Sich Durchklickens durch Datenkonfigurationen. Denn der Informationsstrom des Internets wird nicht nur strukturell durch Suchmaschinen erschlossen, sondern auch sinnlich durch Aufmerksamkeitsstrategien kanalisiert. Der Informationstechnologie, so lesen wir in den neuen Publikationen, muß eine „Aufmerksamkeitstechnologie“ entsprechen, die dafür sorgt, daß in Gegenrichtung zum Informationsfluß Aufmerksamkeit „fließt“. Von der Stillstellung der Zeichen, die die Voraussetzung für hermeneutische und memoriale Operationen war, ist nicht die Rede. Aufmerksamkeit ist deshalb den neuen Medien besser gewachsen als das Gedächtnis. Florian Rötzer sieht in ihr „primär ein flüchtiges Organ, das spontan immer auf das Neue und Auffallende ausgerichtet ist und daher nur auf Oberflächen reagiert“. Aufmerksamkeit, das sollten wir bei der Gegenüberstellung der beiden Leitbegriffe jedoch nicht vergessen, ist keineswegs der Antipode des Gedächtnisses sondern seine Voraussetzung. Mit dem Aufmerken fängt das Merken im Sinne von Behalten an. Aufmerksamkeit ist der Auftakt im Aufbau des Gedächtnisses, durch Disziplinierung kann sie auf eine „höhere Ebene der Konzentration“ gehoben werden und die Form einer „willentlichen und langfristigen Ausrichtung“ annehmen.[14] Jedoch treffen diese Anschlußoperationen, die die Aufmerksamkeit in Richtung Gedächtnis erweitern könnten, im Zeitalter der neuen Medien auf immer schlechtere Bedingungen. Das Band zwischen Aufmerken und Merken wird unterbrochen, Gedächtnis wird eher abgebaut als aufgebaut.
Hinzu kommt die positive Bewertung der Beschleunigung des Datenflusses, die immer schnellere Verfallszeiten der Information mit einschließt. Allem auf längere Zeit Gespeicherten wohnt der Makel des Veralteten inne. Die angemessene Metapher für das Internet ist nicht die Bibliothek oder das Archiv sondern der Supermarkt mit seinen Auslagen. In der Ökonomie der Bibliothek sind die alten Bücher zum Teil wertvoller als die neuen. In einem Supermarkt dagegen ist das Neue und Frische am wertvollsten. Was zu lange auf dem Regal liegen bleibt, verliert seinen Wert und wird zum halben Preis verkauft. In der Bibliothek zählt die abstrakte Systematik des Katalogs, im visuellen Medium des Internet zählt die Kunst des ansprechenden Displays. Das Internet ist eine globaler Treffpunkt und eine gigantische Datenbörse, aber kein Speicher. Mit der elektronischen Verflüssigung von Materialität und der Beschleunigung des Informationsstroms ist es ganz auf Gegenwart eingestellt. Es legt zurück und hält vor, was hier und jetzt interessiert und gebraucht wird. Der Präsentismus des Internets und seine globale Reichweite lassen die vertikale Verknüpfung des kulturellen Gedächtnisses hinter sich. Wir sind, so meine These, aus einer Kultur des Gedächtnisses in eine Kultur der Aufmerksamkeit übergegangen.
IV.
Fassen wir das Bisherige zusammen. Wir hatten mit dem Stichwort der Interaktivität eingesetzt und festgestellt, daß Handschrift und Druckschrift Interaktivität zerstören, während man sich von der elektronischen Schrift verspricht, daß sie verlorene Interaktivität wiederherstellt. In einem zweiten Schritt stellten sich die Verhältnisse jedoch als komplexer dar, weil, wie ich zu zeigen versucht habe, Interaktivität selbst eine Utopie des frühen und späteren Druckzeitalters gewesen ist. Interaktivität ist also nicht gleich Interaktivität. Die Utopien des Druckzeitalters und des Internetzeitalters richten sich auf ganz unterschiedliche Dinge. Die eine entfaltet sich im Rahmen einer Gedächtniskultur, die andere im Rahmen einer Aufmerksamkeitskultur. Meine Überzeugung ist, daß sich vor dem Hintergrund der alten die neue Utopie schärfer fokussieren läßt. Denn sie stehen in einem inversen Verhältnis zueinander.
Die Utopie des frühen Druckzeitalters war auf die Überwindung der Zeit gerichtet. Francis Bacon hatte die Buchstaben dafür gepriesen, daß sie wie die Schiffe der großen Entdecker zwischen den Jahrhunderten hin und her segeln und den Reichtum des Wissens von einer Zeit zur anderen befördern.[15] Die Utopie des elektronischen Zeitalters dagegen zielt auf die Überwindung des Raumes. Die Raumüberwindung hat eine lange Geschichte, die in der stetigen Beschleunigung moderner Transportmittel wie Eisenbahnen, Autos, Flugzeuge oder Raketen ihren vorläufigen Höhepunkt gefunden hat. Eine qualitative Steigerung der Transportgeschwindigkeit hat sich inzwischen in der Nachrichtentechnik vollzogen. Der hochbeschleunigte Datenstrom überbrückt räumliche Distanzen in Nanosekunden. Die neue, mit dem elektronischen Medium verbundene Utopie heißt: Kommunikation in einem globalen Hier und ubiquitären Jetzt. Unter Wahrung der realexistierenden räumlichen Abstände wird ein Kommunikationsraum in synchroner Gegenwart geschaffen. Anders die Utopie des Druckzeitalters, die unter Wahrung der realexistierenden zeitlichen Abstände der Kommunikationspartner auf die Verschmelzung entfernter Epochen in einem weiten, Jahrtausende überspannenden Horizont gerichtet war. Die Utopie des Druckzeitalters entwarf eine virtuelle Zeit, in der Kommunikation über Epochen hinweg möglich wird, die Utopie des elektronischen Zeitalters entwirft einen virtuellen Raum, in dem Kommunikation über größte Distanzen hinweg möglich wird. Bezeichnenderweise erheben sowohl die ‚Zeitutopie’ des Buchdrucks wie die ‚Raumutopie’[16] des Internets einen Anspruch auf Interaktivität, beide reaktivieren vorgängige Modelle unvermittelter Mündlichkeit, um die Errungenschaften des jeweils neuen Mediums ins Licht zu rücken.
Der utopische Gehalt beider Visionen, der Raum- wie der Zeitutopie, hängt mit einer Sehnsucht nach Überschreitung und Überwindung zusammen. Ich möchte hier pointiert von ‚Transzendenz’ sprechen. Wo immer ein virtueller Raum erschlossen und der ontologische Status gewechselt wird, haben wir es mit einer Form von Transzendenz zu tun. Den Begriff der Transzendenz verbinden wir in der Regel mit der Religion. Religiöse Transzendenz ist nur möglich, weil die Religion zuvor eine welterschaffende Grenze (im Sinne von John Spencer Brown) gezogen und damit eine Art von Jenseits als den primären und paradigmatischen virtuellen Raum erschlossen hat. Religiöse Transzendenz überschreitet die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits, Lebenden und Toten, Menschen und Göttern. Die religiöse Transzendenz setzt eine Grenzlinie zwischen dieser und jener Welt voraus, die dazu bestimmt ist, unter entsprechenden Umständen überschritten zu werden. Ähnliches kann man mutatis mutandis von den Humanisten sagen. Sie haben eine Grenzlinie zwischen ihrer historischen Gegenwart und einer überhistorischen Zeit gezogen, mit der Absicht, sie zu überschreiten. Und Entsprechendes gilt für die elektronischen Medien, mit denen eine Grenzlinie zwischen körperlicher Lokalität und virtueller Ubiquität gezogen wird, um sie zu überschreiten. Jeder Form von Transzendenz, und darin steckt ein im Kern religiös-utopisches Moment, wohnt eine spezifische Phantasie von Läuterung, Verwandlung, Spiritualisierung inne. In der religiösen Transzendenz verbindet sich diese Spiritualisierung mit Heiligkeit, in der zeitlichen Transzendenz mit Unsterblichkeit und in der räumlichen Transzendenz mit Körperlosigkeit. War man im Buchzeitalter eingeladen, sich außerhalb seiner Zeit zu stellen und aus dem historischen Werden in eine Metaphysik des Seins überzugehen, so ist man in der Cyberwelt des elektronischen Zeitalters eingeladen, vorübergehend die an den physischen Körper gebundenen Begrenzungen und Beschränkungen loszuwerden. Die Cyber-Rhetorik nährt eine uralte Sehnsucht nach Entkörperlichung, nach gnostischer Selbststeigerung in Avataren und einer Überwindung der Sterblichkeit durch Abkehr von allem Organischen.[17] Die genannten Transzendenzen, die ich hier in eine spekulative Analogie zueinander gebracht habe, zeigen in der geschichtlichen Dimension die Tendenz, sich gegenseitig zu verdrängen. So, wie sich in der frühen Neuzeit die zeitliche Transzendenz des Druckzeitalters auf kosten der religiösen Transzendenz durchsetzte, so scheint sich heute die räumliche Transzendenz des Internets auf kosten der zeitlichen Transzendenz durchzusetzen. Wir wissen heute jedoch besser als vor einigen Jahrzehnten, daß sich die Medien selbst nicht verdrängen. Entsprechendes sollte für die Phantasien und Phantasmen gelten, die an die unterschiedlichen Medien gebunden sind. Mit meiner Untersuchung der kulturellen Rahmenkonzepte für den Medienwandel und meiner Archäologie der mit den Medien verknüpften Utopien jedenfalls möchte ich dieser Logik der Verdrängung ihre Spitze nehmen. Es gibt immer neue Formen von Transzendenz und unterschiedliche kulturelle Praktiken der Selbstüberschreitung, auch wenn man zu dem Schluß kommen mag, daß wir es stets mit Variationen derselben Grundutopie des Überschreitens zu tun haben.
[1] Douglas Adams, „Introduction“, in: Terry Jones, Douglas Adams’s Starship Titanic, London 1997, 1-11. „There’s a lot you can do with text, as several thousand years of human culture can attest, but it seemed to me that what the computer enabled us to do was to reach back to the days before printing and recreate the old art of interactive storytelling. (...) It was the coming of print that took away the interactive element, and locked stories into rigid forms. It seemed to me that interactive computer-mediated storytelling might be able to combine some of the best of both forms.“ Für den Hinweis danke ich Frank Furtwängler.
[2] Zur Frage nach der Intertextualität und der Diskrepanz zwischen Versprechen und Einlösung vgl. Peter Matussek, „Die Gedächtniskunst und das Gedächtnis der Kunst. Erinnerungstechniken im Medienwechsel“, in: Erika Fischer-Lichte und Gertrud Lehnert, hg. Inszenierungen des Erinnerns, Paragrana Bd. 9, Berlin 2000, 191-214.
[3] Jack Goody, ed., Literacy in traditional societies, Cambridge,New York: Cambridge U.P., 1968; Walter J. Ong, Orality and literacy : the technologizing of the word / London ; New York : Methuen, 1982; Eric A. Havelock,The muse learns to write : reflections on orality and literacy from antiquity to the present , New Haven : Yale University Press, 1986; Paul Zumthor, La lettre et la voix : de la "litterature" medievale , Paris : Seuil, 1987;
Aleida u. Jan Assmann, Christof Hardmeier, Hgg., Schrift und Gedächtnis, München 1983.
[4] Konrad Ehlich, „Text und sprachliches Handeln. Die Entstehung von Texten aus dem Bedürfnis nach Überlieferung“, in: Aleida u. Jan Assmann, Christof Hardmeier, Hgg., Schrift und Gedächtnis, München 1983.
[5] Die Passage wird zitiert von Robert Burton, An Anatomy of Melancholy (1621), ed. H. Jackson, London 1972, II, 2,4: 91.
[6] Martin Opitz, Buch von der deutschen Poeterey, Tübingen 1954, 51. Vgl. Karl Otto Brogsitter, Das hohe Geistergespräch. Studien zur Geschichte der humanistischen Vorstellungen von einer zeitlosen Gemeinschaft der großen Geister, Bonn 1958.
[7] Friedrich Nietzsche, Werke in drei Bänden, ed. Karl Schlechta, Hanser: München 1960, vol. I, 317. In einem interessanten Aufsatz über Nietzsche als Schriftsteller hat Rudolf Helmstedter diese Position als eine Reaktion auf den Journalismus des Feuilletons und damit als eine Unfähigkeit zur Modernisierung interpretiert. Die Metaphorik von Riesen und Zwergen findet sich heute bei Autoren wie Harold Bloom wieder.
[8] Friedrich Nietzsche, vol.I, 260.
[9] Georg Frank, Ökonomie der Aufmerksamkeit, München 1998. Georg Franck ist Professor für EDV-gestützte Methoden in Architektur und Raumplanung an der Technischen Universität Wien. Michael H. Goldhaber, „Die Aufmerksamkeitsökonomie und das Netz, Teil I und II, last modifiend 3.6.98, übers. v. Florian Rötzer in Telopolis, http://www.heise.de/tp/deutsch/special/eco/6195/1.html. Von beiden Autoren sind Texte wiederabgedruckt in: Ressource Aufmerksamkeit. Ästhetik in der Informationsgesellschaft, Kunstforum International, Bd. 148 Dez. Jan. 1999/2000. Die Publikationen von Franck und Goldhaber haben inzwischen auch auf die Kulturwissenschaften eingewirkt. Als Beispiel dafür ist ein neues Buch von Ludwig Pfeiffer zu nennen: Das Mediale und das Imaginäre. Dimensionen kulturanthropologischer Medientheorie, Frankfurt a.M. 1999. Weitere neue Publikationen zum Thema Aufmerksamkeit: Aufmerksamkeit, Lichtensteiner Exkurse III, hg. v. Norbert Haas, Rainer Nägele, Hans-Jörg Rheinberger, Eggingen 1998; Aufmerksamkeiten, hg. v. Aleida und Jan Assmann, München 2001.
[10] Kunstforum, 58.
[11] Michael Taylor, ein Graduate Student aus Princeton, hat mich auf diesen Punkt aufmerksam gemacht.
[12] Friedrich Nietzsche, „Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben“, Unzeitgemäße Betrachtungen, in:Werke in drei Bänden, hg. v. Karl Schlechta, München 1962, Bd. 1, 209-285.
[13] Friedrich Nietzsche, 231.
[14] Florian Rötzer, „Inszenierung von Aufmerksamkeitsfallen“, in: Kunstforum, 63.
[15] Vgl. Aleida Assmann, Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses, München 1999, .
[16] Mir ist bewußt, daß ich hier von der gängigen Begrifflichkeit abweiche. Als Raumutopien gelten in der Utopieforschung in der Regel solche Erzählungen, die den utopischen Staat auf einer fernen Insel lokalisieren, als Zeitutopien solche, die ihn in die Vergangenheit oder Zukunft verlegen, wohin man nur durch wunderbare Zeitreisen gelangen kann.
[17] Peter Matussek, „Computer als Gedächtnistheater“, in: Götz Lothar Darsow, hg., Gedächtnismedien im Computerzeitalter, Stuttgart, Bad Cannstadt 2000, 81-100; hier: 85,86.